Ich will helfen

Männergesundheit

Frohe Weihnachten! Denn ich bin gesund.

Weihnachten steht vor der Tür und viele Menschen wünschen sich zurecht Gesundheit. Mir geht es nicht viel anders, obwohl ich glücklicherweise mit meinen 35 Jahren von wirklich bedrohlichen Unfällen und Erkrankungen verschont geblieben bin. Das Thema Gesundheit beschäftigt mich jedoch zunehmend. Zum einen erlebe ich konkrete Veränderungen meines Körpers und ich befürchte die Diagnose lautet: Ich werde älter. Und zum anderen schleicht sich neben den körperlichen Veränderungen das Thema auch zunehmend in meine Gedanken: Iss nicht so viel Fleisch. Treibe mehr Sport. Trink nicht so viel. Und ich merke, dass diese Bedenken ihre Berechtigung haben. Nach durchzechter Nacht brauche ich fast zwei oder drei Tage bis ich mich entkatert fühle. Nach so manchem Grillfest, meine ich regelrecht zu spüren, wie sich das Fett in meinem Körper festsetzt. Und so versuche ich zunehmend die Signale meines Körpers wahrzunehmen und so auch dem Wunsch meiner Frau, mindestens 100 Jahre alt zu werden, nicht entgegenzuarbeiten. Ich spreche von Arbeit, obwohl es mir oft viel Spaß macht, mich um mich zu kümmern. Ich bin stolz, dass ich vor vier Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe. Es macht Spaß gesund zu kochen und zu wissen, dass ich mich gut ernähre. Und Sport macht mir sowieso Spaß, insbesondere, wenn er mir hilft mein Gewicht zu halten (Das soll ja spätestens ab 40 unmöglich sein).
Was aber wirklich Arbeit war, war der Prozess dorthin. Viele, viele Jahre habe ich mich dieselben Sätze sagen hören. Rauchen, warum nicht, es ist so gesellig und „cool“, man lebt nur einmal, komm, einen können wir noch trinken, zu einem richtigen Essen gehört ein Stück Fleisch, ich könnte jeden Tag grillen… undsoweiter undsofort…
Eigentlich herrschte sowieso lange die Überzeugung vor: Rüdiger, du bist unsterblich. Ich und auch jeder andere Mann weiß, dass das Quatsch ist, aber es wäre so schön, wenn es stimmte.
Das Thema Männer und Krankheit ist ja eh ein besonderes. Im Netz wird die Männergrippe zelebriert, zu deren Symptomen an satirischer Stelle insbesondere die große Wehleidigkeit der Männer bei Krankheit gehört. Ich liebe Satire, glaube aber auch, dass es nicht besonders hilfreich ist, um Männer zu bestärken Krankheitssymptome ernst zu nehmen. Kranksein bedeutet schwach und hilflos sein, was sich besonders Männer ungern eingestehen. Also wenn schon krank, dann richtig! Und niemand geht gerne zum Arzt. Meine Frau sagte zuletzt treffend, dass keine Frau gerne zum Frauenarzt gehe. Schon in der Jugend wird Mädchen nahegelegt, sich mit ihrer Gesundheit und den geschlechtsspezifischen Fragen dazu auseinanderzusetzen, was ohne Frage natürlich auch richtig und sinnvoll ist. Und ich quäle mich mit 35 mit der Frage, ob ich zur Vorsorge gehen soll. Schließlich war ich noch nie ohne Beschwerden beim Arzt und vielleicht sagt er mir ja was, was ich nicht hören will.
Schnell war für mich jedoch klar: Rüdiger, du kannst nicht über Männergesundheit sprechen und so tun, als hättest Du selbst mit dem Thema nichts zu tun. ALSO: Stell Dich nicht so an! Geh zur Vorsorge!  
Ich muss schmunzeln, wenn ich an den Satz denke, den ich besonders von älteren Männern oft gehört habe: Warum soll ich zum Arzt gehen, ich hab doch nichts. Das mag stimmen, aber wie gesagt unsterblich sind wir eben auch nicht und hinter dem Satz steht dann wohl auch eher meine Sorge, eben etwas zu erfahren, was man vielleicht nicht hören will. Aber Verdrängung ist selten lange hilfreich. Also ging ich zum Arzt und ich war wirklich aufgeregt. Blut abgeben, Urinprobe abgeben und dann auf den Termin warten. Blutdruck bisschen hoch, „wahrscheinlich die Aufregung“ sagt der Arzt. Ruhepuls eher niedrig. „Machen Sie Sport?“ fragt er? „Ja“ sage ich stolz. Das sei gut, so der Arzt weiter. Impfungen müssen aufgefrischt werden. Das kann ich direkt macht, super, erledigt!
Nach dem Termin gehe ich stolz nach Hause und weiß nun, was ich gewonnen habe: Die Entscheidungen, die ich mit zunehmendem Alter getroffen habe, um fit und gesund zu bleiben, haben Wirkung. Ich bin gesund. Gut zu wissen und mein besonderer Weihnachtsbonus von mir für mich selbst.
Ich wünsche allen erholsame Feiertage und besonders Gesundheit! Ich glaube jedoch nicht, dass Gesundheit ein Zustand ist auf den wir keine Einfluss haben. Deshalb wünsche ich auch allen, besonders den Männern, den Mut sich bewusst mit ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen, auch wenn es manchmal Angst macht und wir alle am liebsten unsterblich wären.

Frohe Weihnachten!

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