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Düsseldorf, 31. März 2017

Butterwegge und Cremer sprechen Klartext
SKM-Bundesverband und SKFM Düsseldorf: Armutsdebatte heiß diskutiert

Düsseldorf, 31. März 2017        Beim heutigen Fachtag zur Armutsdebatte vom SKM – Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland – Bundesverband und dem Sozialdienst katholischer Frauen und Männer Düsseldorf (SKFM) prallten verschiedene Meinungen aufeinander. „Klartext zu sprechen“, dazu waren Caritas-Generalsekretär Georg Cremer und Armutsforscher Christoph Butterwegge vom Veranstalter aufgefordert worden und das taten sie dann auch.

DCV-Generalsekretär Georg Cremer

Allein in der Meinung darüber, ob in diesem Sozialstaat von Armut oder Armutsrisiko gesprochen werden kann, sind sich die beiden Redner nicht einig. Zwar sagen beide, dass Menschen, die von der Grundsicherung leben müssten, kaum die Möglichkeit hätten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und deshalb der Ausgrenzung ausgesetzt sind. Aber Butterwegge sieht in dem Begriff der relativen Armut eine Verniedlichung der Situation dieser Menschen. Durch Armut sozial ausgegrenzt zu sein, stürze Menschen in lebensbedrohliche Krisen. Sie mit der absoluten Armut beispielsweise in Kalkutta zu vergleichen, sei nicht statthaft. Womit er den Kampf um das tägliche Überleben der Menschen in den armen Ländern die der Welt nicht klein reden möchte. Dahingegen hält Cremer im Zusammenhang mit dem Armuts- und Reichtumsbericht einen Satz wie:“ Noch nie war die Armut so hoch wie heute“, für haltlos, weil in den Statistiken auch Menschen hinzugezählt werden, die nur vorübergehend über ein geringes Einkommen verfügten. Dazu gehörten zum Beispiel Studierende oder junge Menschen in Ausbildung. Cremer sieht durchaus, dass Menschen, die nach dem Regelsatz von Hartz IV vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden können. Er sieht die Notwendigkeit die materielle Unterstützung für Menschen in prekären Situationen den ökonomischen Verhältnissen für absolut notwendig und um ein Wesentliches anzuheben. Doch er verweigert die Zustimmung derjenigen, die unseren Sozialstaat vor dem Untergang sehen.

Armutsforscher Christoph Butterwegge

Anders Butterwege, der aufzeigt, dass seit 1980 der Sozialstaat sukzessive abgebaut werde. Dramatisch habe sich das nach der Einführung von Harzt IV zum schlechten verändert. Menschen, wie ein arbeitsloser Diplom Ingenieur, waren bis 2005 trotz Arbeitslosengeld nicht arm, mit dem Hartz IV-Regelsatz aber sehr wohl.

Einig sind sich die beiden Redner darin, dass Bildung und Qualifizierung notwendige Instrumente dafür sind, dem Armutsrisiko entgegenzuwirken. Doch das allein schütze nicht davor, in die Armut zu geraten, wenn die materielle Basis fehle. Deshalb sei es absolut notwendig, soziale Unterstützung in Hartz IV und Grundsicherung beizubehalten bzw. anzuheben.

In der anschließenden Diskussion mahnte einer der von Armut betroffenen Teilnehmer an, den akademischen Grad der Diskussion zu verlassen und zu versuchen, sich in die Menschen hinzuversetzen, die nicht am Rande der Armut lebten, sondern tatsächlich arm seien. Er selbst könne von seiner Grundsicherung nicht leben und sei täglich gefordert, erfindungsreich zu sein, um sein Überleben zu sichern. Die Würde des Menschen sei hier mehr als gefährdet. Das betonte auch ein weiterer Teilnehmer, der auf das christliche Grundverständnis und zudem auf unsere Verfassung verwies. Hier sei die Würde des Menschen als Grundrecht verankert. Dafür müsste unser Sozialstaat sorgen.

Podiumsdiskussiom zur Armut, Foto: © SKM/medienbüro beate schneiderwind

Es diskutierten die beiden oben genannten Redner, der Caritasdirektor im Erzbistum Köln und ehemalige Vorsitzenden der nationalen Armutskonferenz, Frank Johannes Hensel, der Vorsitzende der Altstadt Armenküche in Düsseldorf, Dominikanerpater Wolfgang Sieffert, das Mitglied der Nationalen Armutskonferenz und Referent des SKM-Bundesverbandes, Erhard Beckers und Betroffene sowie weitere Teilnehmende der Veranstaltung. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem SKM-Bundesvorsitzenden Ludger Urbic.

Das Gespräch zeigte deutlich, dass das Thema Armut in Deutschland dringend weiter zu debattieren ist. Dies macht der SKM-Bundesverband mit seiner Kampagne „Der Mensch am Rand ist unsere Mitte“. Die nächsten Veranstaltungen finden am 17. Oktober 2017 bundesweit in den Diözesan- und Ortsvereine des SKM statt.

Hintergrund:
Christoph Butterwegge hat mit der Veröffentlichung „Hartz IV und die Folgen: Auf dem Weg in eine andere Republik?“ seine Analyse der Situation verdeutlicht. Georg Cremer hat 2016 mit seinem Buch „Armut in Deutschland – Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln?“ eine öffentliche Diskussion entfacht. Beide polarisieren mit ihren Beiträgen und den unterschiedlichen Wegen, auf denen sie Chancen zur Überwindung von Armut in Deutschland beschreiben.

Der 1912 gegründete SKM-Bundesverband unterstützt mit seinen 125 Mitgliedsvereinen Menschen in materieller und psychosozialer Not. Die Hilfe richtet sich insbesondere an gefährdete Jugendliche, wohnungslos und straffällig gewordene Menschen mit ihren Angehörigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Unterstützung und ggf. rechtlichen Vertretung von Menschen, die ihre Anliegen nicht selbstständig erledigen können.
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